Photovoltaik-Konkurse werden zum Kriminalfall: U-Haft verlängert

Betrugsvorwürfe gegen Firmengruppe Sun Contracting – Masseverwalter: „Völliges Chaos“

Die Erzeugung von Sonnenstrom ist zum großen Geschäft geworden. Der Ausbau der erneuerbaren Energien bringt nicht nur erfolgreiche Anbieter hervor. Insolvenzen von Photovoltaikfirmen aller Art gab es zuletzt. Oft spielen Konjunktur und Förderpolitik eine Rolle.

Die Millionenpleite der Firmengruppe Sun Contracting wird hingegen zum Kriminalfall. Wie berichtet, wurden Anfang November über fünf Gesellschaften, die ihren Sitz in Linz haben, Konkursverfahren eröffnet. Auch die Muttergesellschaft in Liechtenstein ist insolvent. Vor gut zwei Wochen wurden drei Verdächtige festgenommen und in U-Haft genommen.

„Die Untersuchungshaft wurde dieser Tage vom Landesgericht für Strafsachen Wien – wie gesetzlich vorgesehen – überprüft und fortgesetzt“, teilt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) auf Anfrage mit. Die Strafprozessordnung sieht eine Haftprüfung nach zwei Wochen vor. Sun Contracting sammelte Geld von Anlegern, um in Photovoltaikprojekte zu investieren.

Die WKStA ermittelt seit Herbst 2024. „Es wurden mehrere Hausdurchsuchungen durchgeführt, Daten ausgewertet, Zeugen vernommen, Telefonüberwachungen durchgeführt und letztlich Festnahmen ausgesprochen“, so die Behörde. Begonnen hatte es mit dem Verdacht des Anlagebetrugs. Mittlerweile hat sich der Tatverdacht auf die Delikte Bilanzfälschung, Untreue und betrügerische Krida ausgeweitet. Die WKStA ermittelt gegen 27 Beschuldigte, davon vier Verbände, die zum Firmengeflecht von Sun Contracting, aber auch Green Finance gehören. Hier gibt es Anknüpfungspunkte. Die OÖN berichteten im Mai über mutmaßliche Malversationen bei der Green-Finance-Gruppe. 20 Millionen Euro Schaden? „Die genaue Schadenshöhe ist Gegenstand laufender Ermittlungen, wir gehen aktuell von mehr als 20 Millionen Euro Schaden aus“, so die WKStA. Geschädigt seien die Anleger, „bisher haben sich mehr als 100 von ihnen als Opfer dem Verfahren angeschlossen“. In Finanz- und Anwaltskreisen wird über insgesamt Tausende Geschädigte spekuliert. Vorwürfe stehen einige im Raum. Drei Beispiele: Die mutmaßlichen Drahtzieher sollen eine Gesellschaft um einen Euro übernommen und um sechs Millionen Euro an Sun Contracting verkauft haben – finanziert aus Anlegergeldern. Von 150 Millionen Euro eingenommenen Kundengeldern seien Provisionen in Höhe von 50 Millionen Euro für den Vertrieb ausgezahlt worden. Anleger seien dazu animiert worden, ihre Lebensversicherung aufzulösen, um in Sun Contracting zu investieren.

„Beide Unternehmensgruppen haben bzw. hatten nur sehr geringe Eigenmittel und setzten bei der Finanzierung exzessiv Crowdinvesting ein“, sagt Gerhard Augustin, Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Oberösterreich (AK) zu Sun Contracting und Green Finance. Es gehe um qualifizierte Nachrangdarlehen und Unternehmensanleihen sowie vereinzelt um Genussscheine. „Das Thema ist sehr komplex“, sagt Augustin. Leider hätten sich die von der AK schon 2014 (bezüglich der Firma KW Karma Werte) angedeuteten Befürchtungen bei Nachrangdarlehen verwirklicht. Die fünf zahlungsunfähigen Linzer Sun-Contracting-Firmen haben unterschiedliche Masseverwalter, zwei davon sind Eva Deutschmann und ihr Ehemann Wilhelm. „Es herrscht völliges Chaos unter den Gläubigern, vielfach ist nicht bekannt, wo sie ihre Forderungen anmelden können“, sagt Wilhelm Deutschmann: „Es wurden Anleihen bei zahlreichen Konzerngesellschaften gezeichnet, und es wurde Crowdfunding betrieben.“ Der Wiener Anwalt Johannes Zink vertritt einen der drei inhaftierten Beschuldigten und sagt: „Die Vorwürfe gegen meinen Mandanten entbehren jeglicher Grundlage.“ Bereits in der Vergangenheit habe es Ermittlungen gegeben, die stets eingestellt worden seien. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

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